Article Research

Die neue Generation der rosafarbenen Bis-Acryl-Compositekunststoffe eignet sich optimal

zur Befestigung von Retentionselementen an implantatgetragenen Prothesen direkt

am Patienten. Deutliche Vorteile dieser Materialklasse gegenüber den üblichen PMMAKunststoffen

sind die unkomplizierte Handhabung, die optimale Biokompatibilität (kaum

Restmonomergehalt), die Farbstabilität sowie die ausgezeichneten mechanischen Eigenschaften

(Festigkeit und Haftung des Composites an dem Prothesenkunststoff). Beim

vorgestellten klinischen Fall kommen die Vorteile der Bis-Acryl-Compositekunststoffe in

den Vordergrund. In diesem Patientenfall wird der Compositekunststoff LuxaPick-up von

DMG eingesetzt.

Patientenvorstellung

Der 83-jährige Patient wird in unserer Praxis vorgestellt mit dem Wunsch nach einer

neuen Versorgung im Unterkiefer. Seine bereits seit etwa 8 Jahren existierende implantatgestützte

Prothese ist nicht mehr erhaltungswürdig. Auch die vorhandenen Locator®-

Abutments zeigen deutliche Abnutzungsspuren. Somit ist die Herstellung einer neuen

herausnehmbaren Prothese im Unterkiefer indiziert. Auch die abgenutzten Locator®-

Retentionselemente müssen ersetzt werden. Im klassischen Verfahren wird eine neue

Unterkieferprothese im Dentallabor fertiggestellt.

Klinische Schritte

Nach der Entfernung der vorhandenen Locator®-Retentionselemente ist eine gesunde

und entzündungsfreie periimplantäre Mucosa zu sehen; der Patient betreibt eine ausreichende

Mundhygiene. Die abgenutzten Locator®-Retentionselemente werden durch

neue Elemente ersetzt. Optimal sollte ein Locator®- Retentionselement 1 bis 2 mm aus

dem Zahnfleischsaum herausragen (Abb. 1). Die neue Unterkiefertotalprothese wird fertig

vom Dentallabor geliefert. Die linguale Seite der Prothese wird von Kunststoff freigeschliffen

an den Stellen, die über den vorhandenen Implantaten liegen (Abb. 2). Somit

wird die direkte Chairside-Befestigung der Retentionselemente an der Prothesenbasis ein

für den Kliniker überschaubarer Prozess. Das intraorale Einpolymerisieren der Retentionselemente

gewährleistet einen spannungsfreien Sitz der Prothese auf den Implantaten.

Die beschliffenen Kunststoffflächen der neuen Prothese werden mit dem lichthärtenden

Kunststoffprimer Luxatemp Glaze & Bond (DMG) benetzt (Abb. 3). Somit wird die optimale

Haftung des LuxaPick-up Compositekunststoffes an dem Prothesen-PMMA-Kunststoff

erreicht.

Anschließend werden die Locator®-Verbindungselemente vorbereitet. Um das Wiederentfernen

der Prothese aus dem Mund nach dem Aushärten des Composites zu gewährleisten,

sollten kleine Kofferdamteile (Abb. 4) und die speziellen O-Ringe um die

Retentionselemente angebracht werden. Somit sind Unterschnitte verblockt und das

Compositematerial beschränkt sich auf den Matrizenbereich. Anschließend werden die

korrespondierenden sandgestrahlten Metallmatrizen über den O-Ringen befestigt. Das

Sandstrahlen der Matrizen gewährt eine verbesserte mikromechanische Haftung des

LuxaPick-up Composites.

Vor dem intraoralen Einpolymerisieren ist es immer sinnvoll, den passiven Sitz der Prothese

auf den Weichteilen zu kontrollieren. Auf ausgiebiges Fräsen des Prothesenkunststoffes

um die Retentionselemente sollte geachtet werden. Interferenzen der Matrizen

mit der Prothesenbasis sollen während der Verbundphase ausgeschlossen sein, um einen

optimalen passiven Sitz der Prothese zu gewährleisten (Abb. 5). Anschließend wird der

Compositekunststoff LuxaPick-up aus der Mischkanüle direkt intraoral auf die Retentionselemente

und extraoral auf die ausgeschliffenen Bereiche der Prothesenbasis appliziert

und im Mund korrekt positioniert. Der Patient wird jetzt angewiesen, die Prothese in der

Okklusion stabil zu halten.

Implantatprothetik: Einfaches direktes Befestigen von Retention selementen

mithilfe eines neuen Compositekunststoffes

www.dmg-dental.com 11/2016 2

Anwenderbericht

Nach abgeschlossener Polymerisation des Composites (2-3 Minuten) kann man die Prothese

aus dem Mund entfernen. (Abb. 6 & 8). Überschüsse werden gleich entfernt und

der lichthärtende Kunststoffprimer Luxatemp Glaze & Bond kann erneut angebracht und

lichtpolymerisiert werden, um einen zuverlässigen Porenschluss zu gewährleisten. Bei der

Basalansicht der Prothese überprüft man, dass die Locator®-Matrizen schnell und zuverlässig

in der Prothesenbasis einpolymerisiert sind (Abb. 7). Die fertig ausgearbeitete Prothese

(Abb. 9) kann jetzt am Patienten eingegliedert werden (Abb. 10).

Schlussfolgerung

Vorteile dieses klinischen Vorgehens sind der optimale passive Sitz der Prothese auf dem

Kamm sowie die Verbindung der Retentionselemente und der Prothesenbasis mit einem

hochwertigen und hygienefreundlichen Material.

Abbildungen

Abb. 1: Die abgenutzten Locator®-Abutments wurden durch neue Abutments

ersetzt.

Abb. 2: Linguale Seite der Prothese ist von Kunststoff freigeschliffen an den Verbindungsstellen

für die Implantate.

Abb. 3: Benetzen der beschliffenen Kunststoffflächen mit Luxatemp Glaze & Bond.

Abb. 4: Kleine Kofferdamteile werden um die Locator-Verbindungsteile gesetzt.

Abb. 5: Prothese sitzt passiv auf den Weichteilen. Interferenzen der Matrizen mit der

Prothesenbasis müssen ausgeschlossen sein.

Abb. 6: Polymerisation abgeschlossen, die Prothese wird aus dem Mund entfernt.

Abb. 7: Basalansicht der Prothese: Locator-Matrizen sind zuverlässig in die Prothesenbasis

einpolymerisiert.

Abb. 8: Linguale Seite: Compositeüberschüsse wurden entfernt und die Prothese

poliert.

Abb. 9: Fertig ausgearbeitete Prothese.

Abb. 10 Prothese in situ.

Kontaktadresse:

Kleanthis Manolakis, DDS, Dr. Med. Dent.

Tsimiski 95

GR-54622 Thessaloniki

kleanthis@manolakis.net

November 2016

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